Nach dem Gesetz des Mose sollen die Eltern 40 Tage nach der Geburt des Erstgeborenen zum Jerusalemer Tempel hinaufsteigen und dort den Sohn dem Herrn darbringen. Die Mutter soll dabei ihre rituelle Reinigung durchführen. Auch Maria und Joseph folgen diesem Ritus. In diesem Augenblick zeigt Gott selbst seinen Sohn den Menschen; seinen Sohn, den Erlöser der Welt.

 

Zur Zeit Jesu war Palästina durch die Römer besetzt. Die Gedanken der Gelehrten beschäftigte nur die eine Frage: Wann kommt er, der Erlöser, der Retter? Ganz Israel wartet und hofft. Personifiziert wird diese Hoffnung durch Simeon und Hanna, die im Tempel auf ihren Gott warten. Ihre Hoffnung erfüllt sich. Ein kleines Kind wird in den Tempel getragen, vollkommen unscheinbar. Als die Eltern für dieses Kind das Opfer darbringen, wird sogar deutlich, dass sie zu den Ärmeren gehören. Denn nur, wer kein Geld für das vorgeschriebene Opfer hat, darf lediglich zwei Tauben opfern.

 

Für Simeon und Hanna erfüllt sich in diesem kleinen Kind die gesamte Hoffnung der Juden. Gott kommt zu uns, um uns zu erlösen. Auch wenn die Art des Kommens dieses Messias nicht den Erwartungen der Juden entspricht: Simeon und Hanna sehen tiefer und lassen sich davon nicht beirren.

 

Aber Jesus ist nicht nur der Messias für «sein» Volk Israel. Er ist der Erlöser der ganzen Welt. Gott hat seinen Sohn nicht gesandt, nur um einen kleinen Teil der Menschheit zu erlösen. Die ganze Menschheit, egal, was sie glaubt und welcher Religion sie angehört, findet ihren Erlöser in Jesus Christus. «Er, Jesus, ist der Stein, den die Bauleute verworfen haben, der aber zum Eckstein geworden ist. Denn in keinem anderen ist das Heil zu finden. Es ist uns Menschen kein anderer Name unter dem Himmel gegeben, durch den wir gerettet werden sollen. (Apg. 4)» Ob Moslems, Juden, Hindus oder Buddhisten - sie alle finden ihr Heil nur in Jesu Christi.

 

Die beiden Alten im Tempel sind ein Beispiel für uns.Von den beiden Alten findet Hanna in den Evangelien kaum Beachtung, darum soll sie hier im Vordergrund stehen. Hanna wird sehr früh Witwe und gehört dadurch zu einer der benachteiligten Bevölkerungsschichten. Witwen führen ein armseliges Leben am Rande der Gesellschaft.

 

An Stelle einer Wiederverheiratung hatte sich Hanna wohl für den Dienst des Gotteslobes und der ständigen Fürbitte im Tempel entschieden. „Sie hielt sich“, so sagt es unser Bibeltext, „ständig im Tempel auf und diente Gott Tag und Nacht mit Fasten und Beten.“

Ihren Lebensabend verbringt Hanna im Tempel, im Heiligtum Gottes, in der Gegenwart Gottes. Sie hat einen ganz vertrauten Umgang mit ihm, ist dauernd im Gespräch mit ihm, sie lebt in seiner Gegenwart.

 

Wovon das Herz voll ist, davon läuft bekanntlich der Mund über. Und so fängt auch Hanna an, als sie dem Kind im Tempel begegnet, Gott zu loben und zu preisen. Und sie verkündet die Ankunft des Erlösers. Hanna erzählt allen davon, die auf die Erlösung Israels warten. Sie bezeugt - wie Simeon - dieses Kind als den ersehnten Retter, der von Schuld befreit, die Gebeugten aufrichtet und alle Gebrechen heilt.

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