In der Pfingsterzählung aus der Apostelgeschichte hören wir das Bekannte, was wir heute feiern: Vom Brausen, vom Sturm und von den Feuerzungen und vom Predigen der Jünger, die alle Menschen in ihrer Sprache verstanden. Der Heilige Geist ermutigt hier nicht nur zum Glauben, sondern vielmehr dazu, den Glauben zu verkünden. Das eine sei vom anderen nicht zu trennen, meinen vielleicht manche von Ihnen. Ist das so? Schauen wir ehrlich auf unser eigenes Leben: Wir – so hoffe ich – glauben an Jesus Christus, an seinen Tod und seine Auferstehung. Mal überzeugter, mal zweifelnder – das ist nicht schlimm; auch die Jünger waren anfangs voller Furcht und Zweifel. Doch wie oft reden wir von unserem Glauben – gerade mit denen, die vielleicht nicht unsere „christliche Sprache“ sofort verstehen? Am Arbeitsplatz, im Sportverein, in einer Partei oder in der Nachbarschaft? Wenn wir ehrlich sind: Zu glauben und den Glauben zu verkünden – das geht nicht automatisch Hand in Hand. Dazu braucht es Mut. Und deshalb brauchen wir wie die Jünger den Heiligen Geist, um zu glauben und um den Glauben zu verkünden.

 

Eines fällt mir in der Pfingsterzählung der Apostelgeschichte noch auf: Das Entscheidende wird in dieser Perikope nicht gesagt: Wo von reden die Jünger eigentlich, was verkünden sie? Das mag für Sie beim ersten Hören eine sehr rhetorische Frage sein: Erstens wissen wir es und zweitens steht es wenige Verse später in der Pfingstpredigt des Petrus (Apg 2,14-36). Nun, vielleicht lesen Sie diese Pfingstpredigt einmal und Sie werden feststellen: Petrus predigt sehr weitschweifig, zitiert lange aus dem Buch des alttestamentlichen Propheten Joel und aus den Psalmen. Das Entscheidende, dass der Gekreuzigte auferstanden ist, ist ihm gerade einen Vers wert. Diese Predigt möchte ich zum Anlass nehmen, kurz darüber nachzudenken, was wir von Jesus und dem Glauben erzählen, wenn wir etwas erzählen. Von der Nächsten- und der Feindesliebe vielleicht, von Geboten, vom Teilen und vieles mehr. Wie viel aber von dem, was im Zentrum steht: Dass Jesus für uns gestorben und auferstanden ist? Auch um in der Verkündigung das Wichtige vom Unwichtigen zu unterscheiden, brauchen wir den Heiligen Geist.

 

Michael Tillmann

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