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der Katholischen Kirchengemeinde

 

St. Otto Pasewalk

Gründonnerstag

 

Als Jesus seinen Jüngern die Füße gewaschen, sein Gewand wieder übergestreift und Platz genommen hatte, da fragt er:"Begreift ihr, warum ich das getan habe"? 
Und diese Frage steht bis heute noch im Raum. Jedes Mal, wenn wir Eucharistie feiern und bekennen, dass wir den Tod und die Auferstehung Jesu feiern, begreifen wir, was wir da tun? Wenn wir die Hostie empfangen, kommunizieren und dazu sagen: der Leib Christi– verstehen wir, was das heißt? Wenn Kinder die Erstkommunion feiern, begreifen sie, was sie da tun? Oder umgekehrt, wenn Menschen nicht mehr kommunizieren, der Gemeinde fernbleiben, begreifen sie, was sie tun? Können wir uns trösten mit dem, was Jesus dem Petrus sagte, als er sich die Füße nicht waschen lassen wollte: "Jetzt verstehst du noch nicht, doch später wirst du es begreifen."

 

Also die Ermutigung, mach weiter, du wirst es noch begreifen, etwas später. Andererseits sagt Jesus:"Ich habe euch ein Beispiel gegeben, damit auch ihr so handelt, wie ich an euch gehandelt habe." Also gibt’s gar nicht so viel zu begreifen, wir können das nachahmen, was Jesus getan hat, nämlich einander eine Hilfe sein, die Füße waschen, dienen. Wenn wir nach dem Begreifen fragen, dann lohnt es, zuvor noch einen Blick auf die Jünger Jesu zu werfen. Drei Jahre waren sie mit ihm zusammen, zogen durch das Land, hörten seine Worte und sahen seine Handlungen, dann kommt das große Unverständnis. In der Nacht des Gründonnerstags, die Verurteilung, die Verzweiflung des Karfreitags, die nur eine Frage kennt: Wie kann dieser Mensch, der Sohn Gottes, so schrecklich am Kreuz enden. Alles, was Jesus vorher gesagt hatte, dass es so kommen werde, ist vergessen. Sie laufen auseinander, sie treffen verstört wieder zusammen, sie schließen sich vor Angst ein, bis zum Morgen des 3. Tages. Die Frauen erzählen: er lebt, er isst mit ihnen, lässt sich anfassen, die letzten Zweifel schwinden. Als er seinen Geist schickt, findet er sie um den Tisch versammelt, im Gebet, wach und bereit für seine Botschaft: die Kirche entsteht und lebt. Sie stehen um den Tisch, essen das Brot, trinken den Wein. Sie sprechen, wie er gesprochen hat: Das ist mein Leib, das ist mein Blut, ausgegossen für viele Menschen. Ein großes Verstehen, Begreifen liegt über ihnen.


Und das hat sich bis heute in der Feier der Eucharistie fortgesetzt, nur das Verstehen, Begreifen scheint wieder verlorenzugehen. Aber wir sind hier und erahnen das große Geheimnis, das uns seit 2000 Jahren schon begleitet. Wir ahnen, dass diejenigen, die zusammen das Brot teilen, Schwestern und Brüder werden, dass es da keine Unterschiede geben darf, dass der, der hat, dem zur Seite gehe, die Füße wasche, der da weniger hat. Wir ahnen, dass wir, die wir kommunizieren, der Leib Christi werden, seine Glieder auf der Erde und dass wir uns auf diesem Weg stärken. Wir ahnen, dass diejenigen, die fernbleiben, wie ein fehlendes Glied sind. Wir ahnen, wenn wir die Worte der Lesung hören dass wir Gottes Geist neu und belebend wieder empfangen. Wir ahnen, dass unsere bürgerlichen Abschottungen, Rechthabereien, Borniertheiten, Bequemlichkeiten, der Haltung Jesu der Fußwaschung diametral entgegenstehen. 
Wir ahnen plötzlich, was es heißt, den Tod und die Auferstehung Jesu zu feiern, wenn wir das Brot teilen und Eucharistie feiern. Die Mächtigen, die Unterdrücker, haben ihn getötet, weil Jesus ihre tötende Macht anfragte und das Leben für alle wollte. Er konnte nicht getötet, begraben werden, denn Gott hat ihn auferweckt und er ersteht in der christlichen Gemeinschaft als sein Leib auf. Er lebt weiter in denen, die sein Brot teilen.