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der Katholischen Kirchengemeinde

 

St. Otto Pasewalk

Advent

Eine eigene Adventszeit gibt es nur im Abendland. Sie ist der sehr viel älteren Vorbereitungszeit auf Ostern, der österlichen Bußzeit/Fastenzeit, nachgebildet. Die Adventszeit hat dabei zwei Ursprünge, die sich heute noch in den Texten, die wir in der Messfeier hören,deutlich erkennen lassen: einen römischen Ursprung und einen gallischen Ursprung. Seit dem 5. Jahrhundert wird bei der ein bis dreiwöchigen Vorbereitung auf Weihnachten in Rom die Menschwerdung Gottes inhaltlich hervorgehoben, also der theologische Gedanke der Inkarnation: Gott wird zu unserem Heil in Jesus Christus Mensch! Das bedeutet zugleich eine marianische Prägung, eine Betonung also der Bedeutung der Mutter des Herrn in der Heilsgeschichte Gottes mit seinem Volk (vgl. etwa am 8. Dezember: das Fest der Erwählung Mariens). In Gallien hingegen entwickelt sich die Liturgie seit dem 6. Jahrhundert unter dem Einfluss des gallisch-irischen Mönchtums etwas anders als in Rom. Dort beginnt eine sechswöchige Vorbereitung auf das Weihnachtsfest mit dem Martinstag am 11. November. Dort hat die Adventszeit als Vorbereitungszeit auf Weihnachten eine eschatologische/endzeitliche Prägung: Das drohende Weltgericht wird betont und somit die anbrechende Endzeit. (Daher übrigens auch das große Schlemmen am St. Martins-Tag bevor die „Fastenzeit“ der sechs Wochen der Vorbereitung auf Weihnachten begann. )

 

Im Mittelalter nun durchdringen sich diese beiden Aspekte: der Gedanke der Menschwerdung und der Gedanke des endzeitlichen Weltgerichts vermischen sich. Dabei setzt sich erst 1570, also relativ spät, der römische Brauch der vier Adventssonntage im ganzen Abendland durch.

Noch jünger ist übrigens der Brauch des Adventskranzes: er entstammt der lutherischen Tradition und ist erst im 19. Jahrhundert in Hamburg entstanden. Dort hatte er ursprünglich 24 Kerzen, 4 große Kerzen für die Sonntage und 20 kleine Kerzen für die übrigen Tage des Advent. Mittlerweile hat sich als eine schöne und sinnvolle, ökumenische Tradition der grüne Kranz mit 4 Kerzen für die 4 Adventssonntage fast überall durchgesetzt.

Heute feiert die Kirche im Advent eine zweifache Ankunft des Herrn: Seine Ankunft bei den Menschen und seine Ankunft am Ende der Zeiten.

 

Im Gegensatz zu früher gilt der Advent nicht mehr als bloße Bußzeit, vielmehr als Zeit freudiger Erwartung. Dies unterstreichen die Lesungen aus dem Buch des Propheten Jesaja, mit ihren starken biblischen Bildern: Das Volk, das im Dunkel lebt, sieht ein neues Licht – neue Hoffnung wird den Menschen geschenkt in der Ankunft des Herrn und Erlösers Jesus Christus.

Diese Vorfreude gilt besonders für die letzten Tage vor Weihnachten für die es eigene Texte für Messfeier und Stundengebet gibt. Der vierte Adventssonntag hat dann mit seinen Lesungen ganz den Charakter eines Sonntags der alttestamentlichen Väter und der Mutter Gottes, die die Geburt des Herrn erwarten: das Magnifikat, der große Lobgesang Mariens, steht im Mittelpunkt.

Wenn an den Sonntagen das Gloria nicht verwendet wird, so geschieht dies aus einem anderen Grund als in der österlichen Bußzeit: Der Gesang der Engel auf dem Hirtenfeld, das Gloria, soll eben Weihnachten wieder wie eine neue Botschaft erklingen.