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der Katholischen Kirchengemeinde

 

St. Otto Pasewalk

Deutsche Soldaten sind vor einhundert Jahren, zu Beginn des Monats August 1914, mit oft großer Freude in den Krieg gezogen, der später der Erste Weltkrieg genannt werden wird und 4 ½ Jahre bis November 1918 dauerte. Kaiser Wilhelm II., zunächst der oberste Kriegsherr, hatte angekündigt, die Soldaten seien bis Weihnachten 1914 wieder zu Hause. Das war ein gewaltiger Irrtum. Natürlich fällt auch ins Auge, was auf dem Eisernen Kreuz in großen Buchstaben wahrgenommen werden soll. Nämlich drei kurze Worte: GOTT MIT UNS.

 

Mit Gott in einen kurzen und siegreichen Krieg, soll die Schrift auf der Postkarte im Ersten Weltkrieg ausdrücken. Gott ist ein Deutscher, konnte man damals auch oft hören. Das deutsche Kaiserreich der Jahre 1890 bis 1914 schäumte geradezu über vor Selbstbewusstsein, viele sagen Selbstgefälligkeit. Es gab einen gewaltigen Militärapparat, es gab eine große, hoch gerüstete Armee zu Lande und zu Wasser. Und es gab bei vielen den festen Glauben, Gott auf ihrer Seite zu haben. Eine Niederlage in einem Krieg gegen England/Frankreich auf der einen Seite und Russland auf der anderen Seite war unvorstellbar, weil Gott ja mit uns ist. Wie wir wissen, kam es ganz anders. Auch der letzte Kriegsherr, der vielfach gefeierte Generalfeldmarschall und spätere Reichspräsident Paul von Hindenburg (1847–1934), konnte die Niederlage Deutschlands nicht mehr abwenden. Im November 1918 kapitulierte Deutschland; mit schwerwiegenden Folgen. Und wo war Gott? War er mit uns?

 

Es ist blanker Hochmut, mit Gott in einen Krieg zu ziehen oder auch noch zu behaupten, man habe Gott auf seiner Seite. Man hat das damals so nicht gesehen, ja, manche Prediger in den Kirchen haben Rufe wie „Gott mit uns!“ noch befeuert. Heute, nach bittersten Niederlagen in gleich zwei Weltkriegen in einem Jahrhundert, wissen und glauben wir es aufrichtiger. Es ist blanker Hochmut, also schwere Sünde, Gott auf seine Seite zu ziehen. Gott lässt sich nicht vereinnahmen. Von nichts und niemandem. Gott lässt seiner nicht spotten. Er lässt sich nie auf eine Seite ziehen. Die Seite, auf die Gott sich stellt, bestimmt er selber.

 

Michael Becker