Im deutschen Sprachraum hat sich für das „Hochfest des Leibes und Blutes Christi“ der Ausdruck „Fronleichnam“ erhalten, der ins Neuhochdeutsche übersetzt einfach „Herrenleib“ bedeutet. Wie das wenige Tage vorher gefeierte Dreifaltigkeitsfest, so wurde auch dieser Feiertag erst im Spätmittelalter in den römischen Kalender aufgenommen. Der Donnerstag nach der Pfingstoktav sollte als erster möglicher Termin außerhalb des Osterfestkreises in Anlehnung an den Gründonnerstag als eigens Fest zu Ehren des hl. Leibes und Blutes Christi gefeiert werden. Die Menschwerdung des Sohnes ist das große Ereignis in der Geschichte Gottes mit den Menschen. Mit dem irdischen Leben Jesu ist die Menschwerdung aber noch nicht an ihr Ziel und Ende gekommen. Sie setzt sich fort in den Sakramenten. In der Eucharistie ist Christus für uns zum Brot des Lebens geworden. Er ruft uns zum heiligen Mahl, zum Fest der offenbar gewordenen Liebe… Nimm und iss! Du sollst leben.

 

Die Liebenden dieser Welt beweisen ihre Großherzigkeit dadurch, dass sie Geld schenken, Kleider und anderes; niemand aber schenkt sein Blut. Das tut Christus. So beweist er uns, wie zärtlich er uns liebt und wie innig. Im Alten Bund nahm Gott das Blut der Opfertiere an, aber nur um sein Volk daran zu hindern, es den Götzen zu opfern – und das war schon der Beweis einer sehr großen Liebe! Christus aber hat diesen Ritus verändert... das Opfer ist nicht mehr das gleiche: er selber bietet sich als Opfer dar.

„Ist das Brot, das wir brechen, nicht Teilhabe am Leib Christi?“ (1 Kor 10,16)... Woraus besteht dann dieses Brot? Aus dem Leib Christi. Was wird aus denen, die zur Kommunion gehen? Der Leib Christi: nicht viele Leiber, sondern ein einziger. So wie das Brot, das aus Weizenkörnern gemacht ist, nur ein Brot ist, worin das einzelne Korn nicht mehr auszumachen ist; und so wie die Körner in ihrer Substanz im Brot immer noch vorhanden sind, aber in der dichten Masse nicht mehr zu unterscheiden – so sind wir alle, zusammen mit Christus, nur ein einziges Ganzes... Wenn wir nun alle teilhaben am gleichen Brot und wenn wir alle in Christus vereint sind, warum haben wir dann nicht das gleiche Maß an Liebe? Warum werden wir nicht auch darin eins?

Das hat man in den Anfängen erlebt: „Die Gemeinde der Gläubigen war ein Herz und eine Seele“ (Apg 4,32)... Christus ist gekommen, um dich, der so fern von ihm war, zu suchen, um mit dir eins zu werden: und du willst nicht eins sein mit deinem Bruder? Du hast vom Herrn einen so großen Liebesbeweis erhalten, und dazu noch das Leben – und hältst dich gewaltsam von ihm fern! Er hat nicht nur seinen Leib gegeben. Da unser Fleisch, das von der Welt stammt, durch die Sünde das Leben verloren hatte und tot war, fügte er obendrein sozusagen eine andere Substanz hinzu: sein Fleisch, das zwar von gleicher Natur wie unser Fleisch ist, aber von der Sünde verschont und voll von Leben. Und er hat es uns allen gegeben, damit wir Festmahl halten und dieses neue Fleisch zu uns nehmen, und so gestärkt, ins ewige Leben eintreten können.

 

Hl. Johannes Chrysostomos (ca. 345 - 407), Priester in Antiochia und später Bischof von Konstantinopel, Kirchenlehrer

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